Der Begründer – die ersten Anfänge


Am 22. Februar 1857 wurde Baden Powell (BP) als 12. von 14 Kindern des anglikanischen Pfarrers R. Baden Powell in London geboren.
Der Vater starb, als BP drei Jahre alt war.
Von der Mutter erzogen, entwickelte er früh ein Gefühl von Ritterlichkeit und Verantwortungsbewusstein. Er fühlte sich sehr zu seinem Großvater, Admiral W. Smith, hingezogen, der in dem Jungen die Lust an Abenteuer und an der Naturbeobachtung weckte.

BP war, auf Grund des fehlenden Vaters, während seiner gesamten Schulzeit im Internat untergebracht. Dort fiel er schon früh durch seinen Hang zur Beobachtung der Natur und Mitmenschen auf. Derlei Kenntnisse kamen ihm zu Gute, als er später mit Freunden während der Ferien ausgedehnte Reisen unternahm, z. b. nach Norwegen. Hier orientierte er sich nur an der Sonne und versuchte, ohne fremde Hilfe und ohne Kontakt zur Außenwelt, sein Ziel zu erreichen.
Nach Beendigung des Colleges, das er mit mittelmäßigem Erfolg absolvierte, sollte BP, der Tradition seiner Familie folgend, an der Universität zu Oxford studieren. Doch er bewarb sich um einen Ausbildungsplatz zum Offizier bei der britischen Armee und legte das Aufnahmeexamen mit Glanz ab. Auf Grund seiner Leistungen durfte er von Anfang seine Waffengattung selbst wählen. Als guter und begeisterter Reiter entschied er sich für die Kavallerie. Da die Zugehörigkeit zur Kavallerie eigentlich jungen Männern aus aristokratischen Hause vorbehalten war, war auch der Wehrsold entsprechend gering. Er war bei seiner Truppe für große Sparsamkeit bekannt. Doch trotz des sozialen Unterschiedes war BP bei Kameraden und Vorgesetzten gleichermaßen beliebt. Deswegen nahm BP Angebote kleiner Zeitungen an, und verfasste Erzählung und Gedichte, die mit Regelmäßigkeit gedruckt wurden.
BP verstand es darüber hinaus, die Truppe mit Liedern und selbstgeschriebenen Theaterstücken bei Laune zu halten.
Seine Talente kamen seinen Vorgesetzten zu Ohren. Sie waren von der Vielfältigkeit des Soldaten Powell fasziniert. Ein Mann der es verstand, eine Truppe bei Laune zu halten, das oft doch fehlende Niveau zu heben, und darüber hinaus noch Ideen zu Erkunden der Natur und Umwelt entwickelte, bot sich für Führungsaufgaben geradezu an. Daher wurde ihm die Ausbildung junger Rekruten für den Dienst auf dem offenen Schlachtfeld übertragen.
BP wich schon nach einigen Monaten von der bisherigen Ausbildungsstruktur ab und begann, so genannten ,,Scouts“ auszubilden. Dabei lehnte er die Ausbildung an Waffen ab.

Auf dem Grundgedanken dieser revolutionären und oftmals verspielten Ausbildung, basiert das spätere Konzept seiner Pfadfinderarbeit. Die Hilfsbereitschaft war den vom ihm ausgebildeten Soldaten so selbstverständlich, dass sie sich im Ernstfall, auch bei größter Gefahr, bedingungslos aufeinander verlassen konnten.
Teamgeist war ungeschriebenes Gesetz in seiner Truppe. Ein zweiter, bis dahin völlig unbekannter Ansatz, diente zur Ausbildung der jungen Männer. BP setzte auf das Prinzip \\\\\\\"Learning by doing“, wobei er sich als Vorgesetzter nicht scheute, von ihm verlangte Aufgabenstellungen Selbst zu erfüllen. Das Prinzip des Vorbildes übertrug er später auf die Pfadfinderarbeit.

Im Jahre 1897 erhielt BP den Auftrag, eine Expedition in den Dschungel Südafrikas zu unternehmen. Da die Truppe sehr belächelt wurde, galt die Expedition schon vor der Abreise als gescheitert. Doch gegen alle Erwartungen scheiterte weder er noch sein Konzept. Im Gegenteil, gerade die starke Naturverbundenheit und Wachsamkeit seiner Leute, sicherte der Truppe das Überleben. Ort konnte er die Eingeboren für sich gewinnen. Die Truppe und er konnten von ihnen neue Erkenntnisse im Bezug auf das Spurenlesen erlangen.

Während des Aufenthaltes Powells in Südafrika kam es zum Ausbruch des Burenkrieges. In die turbulenten Auseinandersetzungen wurde Baden Powell mit seiner Truppe eingesetzt. Auch hier lehnte er die Verfahrensweise des offenen Kampfes ab, und setzte auf Diplomatie und Strategie. Wir wissen heute, das BP in seiner militärischen Karriere von einen starken inneren Konflikt getrieben wurde. Zum einen hatte er der Krone Englands Treue geschworen, zum anderen verspürte er das Unrecht gegenüber den Unterlegenen des englischen Militärs. Dieser Konflikt und sein Bedürfnis nach Recht und Frieden war wohl ausschlaggebend dafür, dass BP den Dienst beim Militär quittierte und das Angebot annahm, in Südafrika junge Polizisten pädagogisch zu unterweisen.

1907 eröfnet Baden Powell offiziell seine erste Pfadfindergruppe in England.
Da es sein Ansatz war, Jungen verschiedener sozialer Herkunft zu ,,rekrutieren“, bekleidete er die Mitglieder seiner Gruppe mit einfarbigen Hemden und Hosen. Soziale Unterschiede sollten für ihm nie sichtbar werden. Sein erstes Lager, dass er mit 20 Jungen auf Brownsea Island abhielt, hatte in keiner Weise etwas mit den Fahrten und Lagerprogrammen der heutigen Pfadfinderarbeit zu tun. Vom ersten Pfadfinderlager zurückgekehrt, machte sich BP daran, neue pädagogische Ansätze zu entwickeln. Ein immer wiederkehrendes Kapitel seiner Arbeit war die Auseinandersetzung mit dem motivationsgesteuertem Zuwachs an Selbstbewusstsein.
Ein weiter Gedanke seiner Arbeit war die Verknüpfung von pädagogischer Basisarbeit an Jungen und der religiösen Erziehung. Ein Grundgedanke Powells lautete: ,,Keiner taugt viel, der nicht an Gott glaubt. Jeder Pfadfinder sollte einer Religionsgemeinschaft im christlichen Sinne zugehören“
Ritterlichkeit und Treue zu Gott! – diese beiden Tugenden fand er in der Person des Ritters St. Georg vereint, deshalb erklärte er diesem Heiligen zum Schutzpatron der Pfadfinder.

1907 traf Powell zum ersten Mal auf eine Gruppe Mädchen, die die Pfadfindertrachten trugen. Er erkannte dass sein Gedanke sich ohne sein Zutun, auch auf Junge Mädchen und Frauen übertragen hatte. Sein pädagogisches Konzept war für ihn aus den Fugen geraten. Doch statt zu resignieren, machte er sich daran, seine bisher verfassten Schriften unter den Gesichtspunkt der Einbeziehung weiblicher Mitglieder zu überarbeiten. Der heute eigentlich als übliche Ansatz der „Koedukation“ war zu damaliger Zeit eher befremdlich als üblich. Deshalb bildeten sich bald darauf die ersten weiblichen Pfadfindergruppen. Diese wurden dann später im Weltverband der Girl Scouts vereint. Heute ist diese Vereinigung bekannt als ,,World Association of Girl Guides and Girl Scouts“, kurz WAGGGS.

Im Jahre 1920 wurde dann das erste internationale Pfadfindertreffen veranstaltet.
8.000 Pfadfinder aus 27 Ländern waren gekommen. Auf diesen Treffen ernannte man Baden Powell zum Ehrenpfadinder auf Lebenszeit und übertrug ihm die moralische Wacht über alle Pfadfindervereinigung der Welt. Seine Frau übertrug man die internationale Leitung der weiblichen Pfadfindergruppen. Diese Aufgabe erfüllte sie bis zu ihren Tode im Jahre 1977.
Powells letzter offizieller Auftritt fand in den Niederlanden 1937 beim ersten World Jamboree statt. Zu dieser Zeit zählte die Pfadfinderbewegung mehr als eine Million Mitlieder weltweit.
Sir Robert Stephenson Smyth Baden Powell of Gilwell verstarb am 8. Januar 1941.

Sein Grab ist geziert von einen Kreis mit einen Stein in der Mitte, ein bekanntes Pfadfindersymbol ( Strecke zu Ende – Heimweg).
Als Aufschrift liest man den Satz: “Ich habe meinen Auftrag erfüllt, ich bin nach Hause gegangen“

Die Grundgedanken Powells haben sich bis heute gehalten und verbreitet. Das dunkle Kapitel des Dritten reiches konnte die Arbeit der Pfadfinder zwar schwächen, aber in keiner Weise verbieten.


Der letzte Brief, den Sir Robert Stephenson Smyth Baden Powell of Gilwell dem Bund der Weltpfadfinder hinerlassen hat. Dieses Schreiben ist heute Bestandteil jeder Bundessatzung weltweit.





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